Dienstag, 19. Juni 2012

Montenegro - Teil II


Wir wollten also in die Berge. Was wir dort genau machen würden, wussten wir auch nicht so genau. Wir wollten den zweitgrößten Canyon der Welt bestaunen, das war unsere ganze Planung. Es dauerte tatsächlich nur ca. 3 Stunden, bis wir angekommen waren. Im Eastern Europe Lonely Planet, unserer Bibel, wurde ein Campingplatz beschrieben, der mit sehr herzlichem Empfang glänzen sollte. Wir fanden ihn auch recht unkompliziert und stellten unser Auto ab. Dort kann man auch ein Zimmer mieten für 10€ / Nacht und Person. Brauchen wir aber nicht, wir fahren unser Bett schließlich mit uns herum. Der Besitzer spricht recht gut Deutsch. Er hat einige Jahre in Deutschland gearbeitet. Aber auch sonst ist er viel rumgekommen. Er erzählte mir später, dass er 58 Jahre alt ist, jetzt das dritte Mal verheiratet ist und 11 Kinder hat. Eins in Sibirien, eins in Ungarn, 3 in Deutschland, 4 in Kroatien und 2 in Montenegro. Er hat sich immer irgendwie durchs Leben geschlagen, hat dies und das gemacht. Zum Beispiel berichtete er mir davon, dass er 2 Jahre lang auf einem Kreuzfahrtschiff Stuart war. Er meinte, es sei eine harte Zeit gewesen: „Essen, Trinken, Sex, Trauma“ beschrieb er diese Zeit. Er kommt aus Montenegro, aus dem Haus, in dem er jetzt wieder wohnt. Vor 40 Jahren hat er es verlassen. Er meinte, er könne sich gut erinnern, wie die Fichten um ihn herum noch klein waren. Als er diese Worte ausspricht, schaut er scheinbar etwas in Gedanken auf die Bäume, die mittlerweile eine stattliche Größe erreicht haben und sagt, er ist zurückgekommen, um noch einmal ein neues Leben zu beginnen. Seine Mutter hat 8 Kinder in die Welt gesetzt und dann viele Jahre allein in ihrem Haus gelebt. Er ist als einziger wieder zurückgekommen. Das ist auch gut so, denn später sind wir dann angekommen und davon wollte ich ja gerade erzählen. Zur Begrüßung wurden wir gleich eingeladen zu einem kleinen selbstgebrannten Pflaumenschnaps. Dieser Geschmack war – nun ja – sehr intensiv. Nicht zu gut. Eine Nacht auf dem Campingplatz kostete inklusive Strom für uns beide zusammen mit Auto ganze 7 €. Mittlerweile war es gegen 4. Zu spät, um noch wandern zu gehen, aber irgendwie auch zu früh, um nichts mehr zu machen. Also beschließen wir, eine kleine Runde durch die Gegend zu laufen. Wir kommen an einem kleinen, idyllischen See vorbei in ein ebenso idyllisches Dörfchen. Sonne und Wolken wechseln sich immer wieder ab und man sieht die von den Wolken hervorgerufenen Schatten über das Land fegen. Das sieht beeindruckend aus! 

Der idyllische See, man sieht ihn vor Schilf kaum, so idyllisch ist er! Aber keine Sorge, so klein, wie er auf dem Bild aussieht, war er nicht!

Der Weg durch dieses süße Dörflein. Man könnte meinen, es sei ausgestorben.

Lange laufen wir so allerdings nicht umher sondern machen uns lieber noch Abendessen, so lange es hell ist. Für den nächsten Tag haben wir eine Rafting Tour organisiert und wir wollen fit sein. Um 10 Uhr geht es los und wir müssen das erst noch finden, also gehen wir nicht so spät ins Bett. Am nächsten Tag fahren wir gespannt zum Treffpunkt. Der Treffpunkt ist natürlich der Sitz der Firma, die diese Touren anbietet. Der liegt wiederum direkt an einer großen Brücke über den Ausläufer des Canyons. Dort werden wir eingekleidet mit einer kurzen Neoprenhose und einem dünnen Neopren T-Shirt. Mit 4 Italienern fahren wir im Land Rover zum Einsetzort. 
Bezwinger der Weltmeere...oder so ähnlich ;)

Einsetzstelle - Ab hier habe ich meine Kamera lieber im Auto gelassen.

Blick von oben auf einen Teil der Strecke, die wir entlanggepaddelt sind

Dann geht es los. Das Wasser hat bestimmt angenehme 8 Grad und jede Welle, die ins Boot spritzt, lässt einen ein wenig frösteln, besonders, wenn die Sonne verschwindet. Wir paddeln zu einem wahnsinnigen Wasserfall. Das Wasser kommt von ganz oben aus den Bergen und ist sogar noch kälter als der Fluss, auf dem wir unterwegs sind. Nach einer kleinen Sightseeing - Pause paddeln wir weiter. Zu wild war es nicht, Spaß gemacht hat es allemal. Das nächste Mal wird’s dann aber etwas abenteuerlicher! Fragt sich nur noch, wann und wo das nächste Mal sein wird... Den Rest des Tages haben wir gefaulenzt. Dachten wir einen Tag zuvor noch, wir müssten noch etwas tun, waren wir nach dem Raften doch etwas kaputt und fühlten uns kein bisschen schlecht dabei, alle viere von uns zu strecken. So saßen wir dann da und lasen oder sahen einen Film. Eine Abwechslung gab es aber immer wieder. Es betrug sich nämlich so, dass auf diesem Campingplatz eine kleine Katze wohnte. 
MIAU! Streichel mich!

ein glücklicher Marcus mit Katze

Die wurde es nicht müde, sich streicheln zu lassen. Wenn ich anfing, sie zu streicheln warf sie sich wie ein Hund auf die Seite, streckte - genau wie wir bis dahin - alle viere von sich und ließ sich streicheln. Wenn man nicht da streichelte, wo sie es wollte, drückte sie einen tatsächlich mit ihrer Pfote dort hin. Ziel dieses sanft aber bestimmt so geäußerten Wunsches war immer ihr Hals. Wenn man sie dort streichelte, machte sie ihren Hals lang, schloss die Augen und genoss. Süßes Tier. Doch nicht mal die Katze konnte uns zu lange halten. Wir wollten wieder ans Meer. Baden, wenn es zu heiß wird und dazwischen gammeln. Also fuhren wir am nächsten Tag wieder ab, Richtung Kroatien.Auf unserem Weg kamen wir an einem schönen Ausblick nach dem Anderen vorbei. Aber das seht lieber selbst.

Mitten im Nichts stand da plötzlich ein Obelisk. Den Grund dafür verstanden wir nicht, da die Inschrift nur in Montenegrinisch (also mehr oder weniger das gleiche wie Kroatisch, Serbisch, Albanisch, Mazedonisch - das sind alles nur unterschiedliche Dialekte und tragen nur eine eigene Bezeichnung, weil die einzelnen Länder damit ihre Unabhängigkeit demonstrieren wollen)


Das ist mal was für Kai...alte Autos :D


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen