So klasse Lublin auch war, Krakau toppt es! Wir haben viele
tolle Leute kennengelernt, gefeiert, eine tolle Stadt gesehen, das Auto bemalt…
aber immer der Reihe nach.
Am Donnerstag kamen wir an, in der früheren polnischen
Hauptstadt. Es ist so ziemlich die einzige Stadt Polens, die während des 2.
Weltkrieges nicht zerstört wurde. Vergessen wir nicht – Polen war der
eigentliche Verlierer des Krieges. Erst kamen gleichzeitig die Deutschen und
die Russen. Dann scheuchten die Deutschen die Russen weg und dann alles wieder
retour. Alles war zerstört! Nur Krakau nicht. Das sieht man! Es ist eine
wunderbare alte Stadt, die eindrucksvoll vom Ruhm und Reichtum der vergangenen
Jahrhunderte berichtet. Bis heute trägt sie offiziell den Titel „Königsstadt“.
Im Herzen der wahren Krakauer ist sie bis heute die eigentliche Hauptstadt
Polens. Kein Wunder, dass Warschauer und Krakauer Einwohner nicht wirklich gut
aufeinander zu sprechen sind. Nach unserer Free Walking Tour durch die Stadt bekamen
wir einen Zettel ausgehändigt, der neben wichtigen Adressen wie Kneipen auch
wichtige Übersetzungen ins polnische bereithielt. Zum Beispiel:
Du hast einen schönen Arsch.
Kannst du mir einen PIN Code zu deinem Herzen geben?
Das ist nicht meine Freundin. Ich kenne diese Frau nicht.
Neben diesen überlebenswichtigen Phrasen war auch
abgedruckt:
Ich mag Warschau nicht.
Zunächst konnten wir den Einheimischen unsere Gedanken
allerdings noch nicht so gut klarmachen. Das war auch kein größeres Problem,
immerhin fuhren wir auf direktem Wege zu Mazsek, einem Freund von
Marcus aus Sevilla. Wir kamen erst gegen 22 Uhr an und wurden herzlich
empfangen. Wir bekamen einen Platz zum Schlafen und brauchten nicht mehr lange,
bis wir im Reich der Träume eingefangen waren.
Der nächste Tag begann für uns mit frühem Aufstehen. Warum
steht man im Urlaub früh auf? Nun für die Antwort muss ich etwas weiter
ausholen. Zunächst sei festgehalten, dass unsereins zur Gattung „Mensch mit
unverschämt viel Glück“ zählt. Zum einen läuft unsere Reise gestern seit genau
3 Wochen. Es gab noch keinen Tag, an dem wir uns gelangweilt, uns richtig
angekotzt oder eine falsche Entscheidung getroffen hätten. Bei unserer Anreise
in Krakau wurde uns offenbart, dass wir uns ein einmaliges Wochenende
ausgewählt hatten, um in Krakau zu residieren. Das einmalige an eben jenem
vielverheißenden Wochenende war nämlich, dass ein im Jahr einmaliges Spektakel
der Krakauer Studentenschaft stattfand. Es ist eine Woche des Wahnsinns, des
Feierns, der betrunken und ausgelassenen Studenten. Letzteres findet fern vom
Zentrum ab. Der Wahnsinn jedoch fand direkt am Freitagvormittag mitten im
Stadtzentrum statt. Das heißt, es fand ein Studentenumzug statt, an dem sich
Studenten aller 7 (!!!!!) Universitäten Krakaus beteiligten. Zusammen sind sie
200.000 an der Zahl, also die Studenten, nicht die Umzugsteilnehmer. Das
bedeutet, dass fast jeder 4. Einwohner Krakaus ein Student ist. Wahnsinn! Jetzt
aber zurück zum Thema! Alle Umzugsteilnehmer waren meist kreativ und nicht
selten mit sehr großem Aufwand verkleidet. So unkenntlich gemacht liefen diese
jungen und gutgelaunten Menschen durch das Stadtzentrum. Das wollten wir nicht
verpassen und so mussten wir also früh aufstehen. Weil das aber nicht immer so
unsere Sache ist und Marcus zwischendurch für eine gute Zeit sein Portmonee
nicht finden konnte, sahen wir nur noch das Ende des Umzuges. Egal. Es war
faszinierend. Die gute Laune steckte an. Jeder ließ sich bereitwillig
fotografieren.


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| Man beachte, wie der Tod seine Freundin an der Hand hält. Wo er sie wohl hinführt? |
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| Jetzt aber schnell! |
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| DAS ist mal ein fetter Arsch ;) |
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| Schneewitchen |
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| David Guetta auf polnisch: Dejwid Z GETTA zu deutsch: Davids Ghetto |
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| Ghostbusters |
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| AHHHH | |
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| so sah das da aus und wir waren schon ganz schön weit vorne |
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| die Biene wird fotografiert |
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| Angus Young war auch mit von der Partie, gut gehalten hat er sich! |
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| AHHHH |
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| ARHHHHHHH |
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| Man beachte die Statue, wie sie alle auffordert, zu feiern |
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| unsere Gruppe |
Wir kamen mit lustigen Leuten ins Gespräch. Ein befreundetes
Paar Mazseks (eine Polin und ein Franzose, die sich bei ihrem Erasmussemester
in Frankreich kennenlernten) kam zu unserer Gruppe dazu. Gleiches geschah mit 2
Bekannten von Marcus aus Sevilla. Der Franzose kannte einen Italiener, der sich
zu uns gesellte. Mazsek kannte eine Spanierin, die ihren Britischen Lover
mitbrachte. Außerdem gesellte sich noch eine weitere Polin zu uns und so waren
wir eine recht bunte Gruppe. Erste Amtshandlung als Gruppe: Bier kaufen!
Trinken ist so eine Sache. Uns als Deutschen erscheint das unheimlich seltsam
aber in den meisten anderen Ländern ist Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit
verboten. In Polen kostet das zum Beispiel 50€. Nun wird natürlich trotzdem
gesoffen, wie verrückt. Bei dieser gigantischen Veranstaltung waren aber
natürlich überall Polzisten, die ganz scharf darauf waren, für ein geöffnetes
Bier zu kassieren. Apropos Veranstaltung, das habe ich euch ja noch gar nicht
gesagt! Es war nämlich nicht nur ein Umzug. Auf dem Marktplatz Krakaus (dem
größten der ganzen Welt) war eine große Bühne aufgebaut und all diese Studenten
waren ganz heiß darauf, ein großes kostenloses Konzert genießen zu dürfen. So
war der Marktplatz also überfüllt, wir mittendrin und alle genossen einfach
diesen Tag, der nebenbei auch noch mit wunderschönem Wetter aufwarten konnte.
Nachdem wir uns jetzt unser Bier gekauft hatten, gingen wir auf eine Terrasse.
Diese Terrasse gehörte zu einem sehr günstigen Restaurant. Schnitzel mit
Kartoffelbrei und Salat waren keine 4€. Erst der Pfannkuchen, den ich dazu
kaufte, machten die 4€ voll. Da wir ja Geld bezahlt hatten, konnten wir dort
auch unser Bier trinken und dabei nicht zuletzt Krakau von oben bestaunen. So
saßen wir dort 4 oder 5 Stunden. Redeten miteinander, wo wir alle schon waren,
wo wir alle hingehen wollen, wie gut uns das Wetter gefällt, die Stadt auch und
wie schön doch dieser Tag ist! Wir saßen dort, bis die schlossen.
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| Blick von der Terrasse 1 |
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| Blick von der Terrasse 2 |
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| Mazsek argumentiert hart |
Vor lauter
Irritierung gingen wir also in einen Biergarten. Es wurde langsam ganz schön
kalt. Selbstverständlich hatte ich nicht daran gedacht, dass die Hitze ohne
Sonne nicht mehr so krass ausfallen könnte. So musste ich ein bisschen zittern,
als ich mein Bier im ehemaligen jüdischen Viertel in einem schicken Biergarten
trank. Bei dem darauf folgenden Marsch wurde mir aber wieder warm. Wir hatten
nämlich eine halbe Stunde Fußweg vor uns. Ziel war eine Privatwohnung von
Freunden Mazseks. Dort sollte an diesem Abend eine Hausparty steigen. Auf dem
Weg kauften wir noch eine Flasche Vodka. Die Polen halten sich nicht lange mit
Bier auf. Da muss was Richtiges her. Mit der Flasche bewaffnet betraten wir die
Wohnung. Es war um 10. Alle waren bereits betrunken. Es wurde Gitarre gespielt,
auf dem Balkon geredet, in der Küche geschnattert und neben der Gitarre wurde
mehr gegrölt als gesungen. Es war ein spaßiger Abend mit vielen netten
Gesprächen. Übrig blieb eine Einladung zum Frisbee Spielen am nächsten Tag und
dafür eine Nummer. Der zur Nummer gehörende Name ist praktisch nicht
aussprechbar. Macht nichts, wir haben einfach einen großen Zischlaut von uns
gegeben, um ihn anzusprechen. Das Frisbee Spielen musste allerdings noch
warten. Zunächst war eine kurze Nacht angesagt und danach noch früheres
Aufstehen. Immerhin wollten wir um 11 im Zentrum sein, um die Free Walking Tour
durch die Altstadt noch zu erreichen. Wie schon öfter zuvor in fremden Städten
erreichten wir den Treffpunkt mit perfekter deutscher Pünktlichkeit genau auf
die Minute. Und das, ohne auch nur einmal vorher ausprobiert zu haben, wie
lange wir brauchen oder wie lange die Bahn fährt oder wann eine geeignete Bahn
kommt. Irgendwie klappt das immer! Krakau ist wirklich einen Besuch wert, auch
ohne dieses gigantische Studentenfestival!
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| Passt auf die Mongolen auf! |
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| Wehrt euch! |
Wunderschöne Innenstadt, sehr gut
erhaltenes altes jüdisches Viertel, Schindlers Fabrik und gleich nebenan auch
Auschwitz. Während der Tour sahen wir die Innenstadt, Reste der alten
Stadtmauer, den Park, der wie eine Stadtmauer in einem 3km langen Ring einmal
rund um die Innenstadt reicht und das Wawa Schloss. Die Kirche des königlichen
Hofs verfügt über eine einmalige Sicherheitsvorkehrung. Dort hängen nämlich
Drachenknochen im Eingang. Nur wenn diese Knochen zu Boden fallen, kann die
Welt untergehen. Die Menschen früher waren natürlich auch nicht dumm und haben
sie daher an ordentlichen Ketten aufgehängt. Damit wären alle
Weltuntergangsvorhersagen für 2012 jedenfalls erst mal gebannt, die Kette sieht
noch gut aus, das kann ich als angehender Ingenieur mit Sicherheit aussagen!
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| Drachenknochen |
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| Drachen |
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| Marcus bekommt nicht genug, erst Frisbee, dann auch noch Tennis! |
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| Das Eichhörnchen sonnt sich und macht auch Pause! |
Nachdem wir auf umständlichste Art und Weise den Park
erreicht haben, in dem wir uns zu Frisbee Spielen verabredet hatten, ging es
auch gleich los. Der richtige Frisbee Spieler bereitet sich dadurch vor, dass
er das T-Shirt ablegt und die Frisbee zwischen Daumen und restlichen Fingern
einklemmt, denn Arm eindreht, das Ziel anvisiert und dann Kraft seines
Frisbeewurfarms die Scheibe ins Rotieren bringt. Sie fliegt dann direkt,
praktisch schnurgerade und mit einer gigantischen Wucht in die ebenso kraftvolle
Hand des Gegenübers. Hört sich leicht an. Ist es nicht. Schon gar nicht, wenn 2
Scheiben gleichzeitig zwischen 5 Leuten hin und herfliegen. Es ist ein toller
Spaß. Zwischendurch ruhen wir uns aus, indem wir uns auf einer Decke eine
Flasche Wein teilen. Dabei wandern unsere Augen natürlich immer durch den Park,
die 50€ wäre der Wein nämlich nicht wert! Es geht gut, der Wein schmeckt, die
Frisbee fliegt wieder. Nach getaner Arbeit verabschieden Marcus und ich uns mit
dem hohen und heiligen Versprechen, dass wir nicht wieder nach Krakau
einmarschieren. Der Mann mit dem seltsamen Namen freut sich darüber,
verabschiedet uns freundschaftlich und wir gehen, nicht ohne uns ein Eis zu
kaufen, zurück zu Mazsek. Zwischendurch machen wir Halt bei einem Baumarkt. Farben
wollen wir kaufen. Unser Auto soll bunt werden! Wir haben uns auf der Terrasse
über Krakau mit der Polin, die zu dem Italiener gehörte, verabredet, unser Auto
zu bemalen. Zunächst jedoch stürzen Marcus und ich uns nacheinander unter die
Dusche, halten einen kleinen Powernap und schon geht es wieder los. Fußball. FC
Bayern München gegen Chelsea London. Die Tommys machen uns fertig. Die Stimmung
ist großartig. Ich brauche einen Vodka. Also ab in eine Bar. 5cl Vodka für 1€,
dazu ein Bier, auch 1€. Man will ja den Vodka Geschmack sofort wegspülen.
Austrinken und los geht’s in die Studentenstadt. Diese Studentenstadt ist Teil
dieses Umzugs. Für eine Woche übergibt der Bürgermeister Krakaus nämlich den
Studenten symbolisch den Schlüssel zur Stadt. Es gibt bei den
Ingenieursfakultäten einen Bereich der Stadt, der für öffentliche Autoritäten
nur zugänglich ist, wenn sie direkt dorthin gerufen werden. Es herrscht
Festivalatmosphäre. Alles ist vermüllt. Neben uns schläft einer bereits um halb
2 in der Nacht seinen Rausch aus, eingeklemmt zwischen 2 Streben eines
Geländers. Später wird er aufstehen wollen, es wird 10 Minuten benötigen, bis
er steht. Er wird direkt wieder einschlafen, jedoch dabei stehen bleiben.
Danach wird er unter größten Anstrengungen lostorkeln, um neuen Schnaps zu
finden. Wir stehen im Kreis, unterhalten uns, trinken Vodka und unterhalten uns
weiter. Es ist ein toller Abend! Alex, Mitglied unserer Gruppe, ist ein
polnisch – deutsch bilingual aufgewachsener Student unseres Alters, der große
Zeit seiner Jugend in London verbracht hat. Ola, zu Deutsch Alexandra,
berichtet von ihren Reisen nach Südamerika, von merkwürdigen Drogenkontrollen
an allen Flughäfen nach ihrer Rückreise aus Kolumbien und taumelt dabei immer
mehr. Es ist Zeit, zu gehen. Um halb 5 liegen wir im Bett. Mittag sind wir
wieder in der Stadt. Marcus möchte sich mit einer Bekannten treffen. Ich treffe
mich mit Daga, um den Bus zu bemalen. Ein Bild stellen wir fertig und die
Motorhaube wird hippiemäßig verziert.
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| Künstler bei der Arbeit |
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| Kunstwerk fertig |
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| stolze Künstler |
Am Abend fahren wir dann noch nach
Auschwitz, denn am Morgen wollen wir die erste Führung bekommen. 10 Kilometer
entfernt finden wir einen kleinen Dreckweg in ein Waldstück und dort finden wir
einen Stellplatz an einer sehr breiten Dreckstraße. Am nächsten Morgen werden
wir geweckt durch an uns vorbeirasende Baustellenfahrzeuge mit sehr neugierig
schauenden Fahrern. Wir beschließen, schnell weg zu fahren. Direkt neben dem
Konzentrationslager, original eigentlich KL abgekürzt (ist doch auch viel
sinnvoller als KZ) halten wir und essen Frühstück. Danach geht es los.
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| kurz vor Auschwitz am späten Abend |