Donnerstag, 24. Mai 2012

Slovenský Raj

Nach einem solch entmutigendem Besuch wie den von Auschwitz-Birkenau mussten wir etwas entspannen. Diese Entspannung fanden wir etwa 200 km weiter süd-östlich. Was es dort gib? Die Slowakei. Genauer einen Nationalpark. Slovenský Raj. Es ist ein wunderschöner Ort. Nach kurzem Suchen finden wir den Campingplatz Autocamping Podlesok. Er liegt genau mittig der West - Ost Ausdehnung des Nationalparks. Nahezu alle interessanten Wanderwege kreuzen diesen Punkt. Was will man also mehr? Am Abend wird erstmal nur das Lager aufgeschlagen. Es wird bald dunkel und wir sind auch nicht mehr so unglaublich fit. Wir bauen unseren bisher fast immer sinnlos mitgeschleppten Klapptisch draußen auf, bohren Löcher im Auto und schrauben Haken rein, damit wir unser Vordach auch ohne Kabelbinderpfusch aufbauen können. Außerdem repariere ich noch unseren Tisch im Auto, der hatte beim Umbauen mal eine Schraube verloren, wodurch die Tischplatte nicht mehr so recht am Gestell halten will. Dafür hatten wir uns bereits mit Holzeinschraubgewinden ausgestattet, damit das nicht wieder passiert. Nachdem diese Arbeit (eigentlich ist es keine Arbeit für mich, ich vermisse das Basteln schon...) erledigt ist, wird gekocht. Zucchini wird angebraten, Tomaten geschnitten, Paprika auch. Nudeln kochen erst, dann braten sie allein, dann gemeinsam mit dem Gemüse, Gewürzen, Öl und Eiern. Viel zu viel ist es. Wir werden noch am nächsten Abend sehr reichlich zu essen haben. So sitzen wir da und genießen das Wetter, den Ort und unsere vollen Wänster.
Am nächsten Morgen stellen wir uns den Wecker. Wir haben uns gleich am ersten Tag die längste Wanderung ausgesucht, die unsere Karte hergab - naja fast zumindest. Vielleicht wäre ein Kilometer mehr auch noch drin gewesen. Am Ende stellen wir fest, dass es ungefähr 25 km gewesen sein müssen, die wir in den 7 Stunden hinter uns gebracht haben. Vollgepackt mit 3 Litern Wasser (die wir auch wirklich gebraucht haben!), einem Pullover, 2 Kameras und Tatendrang stiefeln wir los. Wir kommen vorbei an wunderschönen Flussläufen, laufen durch eine in weiten Teilen unberührte Natur. Wir bekommen ein klasse Panorama der hohen Tatra geboten und freuen uns unseres Lebens. Beschreiben kann man das nicht. Das muss man sehen. Gern versuche ich, euch Eindrücke zu geben aber auch wenn Bilder mehr als tausend Worte sagen, sie geben das Gefühl beim Wandern nicht wieder. Sie rauschen nicht wie das Wasser dort, sie singen nicht wie die Vögel und sie riechen nicht, wie die Wälder. Schade eigentlich, ich würde diese Gefühle gern mit euch teilen. Aber vielleicht ist es auch gut so, vielleicht animiere ich euch ja, dort selbst einmal hinzufahren. Nehmt aber wasserfeste Schuhe mit. ;)
Einer entspannt...

...der sucht den Weg.

Ha! Gefunden!


erster ganz kleiner Vorgeschmack

Weiter geht es auf solchen Wegen, teilweise hängt die Kette aber in der Mitte der Stufen, so dass der Platz zum Laufen nicht mehr wird.

Das kann man z.B. bei der Kurve da hinten ansatzweise erkennen



Sicher repariert. Auch das entstehende Moment wurde offensichtlich gut bedacht ;)


Quak! Quak! Nanu? AHHH, ein Fröschlein!

Godfather der Bäume...


 Am Abend sind wir fix und fertig! Wir haben uns von 600 auf fast 1000 Meter hochgekämpft - mehrmals während dieser Tour. Es ist einer von diesen Abenden, wo man einfach nur rumsitzt und sich nicht nur denkt, dass man sich das verdient hat. Man weiß es auch nicht nur. Es ist wie ein heiliges Naturgesetz, das von niemandem angerührt werden kann. Mit tiefstem Glück in unserer Brust schlafen wir ein. Für den nächsten Tag nehmen wir uns nur eine kleine Tour vor. Wir wollen noch einmal ins Internet. Außerdem funktioniert unser Wasserhahn nicht mehr. Das muss ich mir mal ansehen. Die Reparatur dauert länger als erwartet, weil sich das Löten in einem kleinen Kunsstoffgehäuse als recht kompliziert herausstellt. Am Ende funktioniert er aber wieder wie neu und wir haben unser zu Hause wieder wie es mal war. So gehen wir nur ca. 6 oder 7 km. Dieser Wanderweg ist jedoch einer der schönsten, die ich mir vorstellen kann! Wir laufen ewig durch ein Flussbett über Stock und Stein, durch Wasser, dass oben aus einer Quelle rinnt. Wir klettern eine Leiter direkt neben einem Wasserfall hoch. Wenn der letzte Tag atemberaubend war, dann frage ich mich, wie wir diesen Tag überleben konnten!
Die Leiter neben dem Wasserfall, der ausschließlich aus Quellwasser besteht.
So sahen einige Teile des Weges aus.
Blick zurück
Solltet ihr irgendwann einmal die Möglichkeit haben, einen Wanderurlaub in der Slowakei zu machen, nehmt euch für diesen Park hier 2 Tage Zeit. Fahrt auch 2 oder 3 Tage in einen anderen Nationalpark. Die Slowakei ist reich davon! Vergesst nicht, auch noch 2 oder 3 Tage für die hohe Tatra einzuplanen! Aber vergesst um Himmels Willen die wasserfesten Wanderschuhe nicht!!

So, genug für heute. Habt eine tolle Zeit! Es grüßt euch,
Euer Kai

Mittwoch, 23. Mai 2012

Auschwitz


Die erste Führung geht um 9.30 Uhr. Es ist erst 8.00 Uhr. Aber wir können kostenlos eintreten und eigenmächtig durchlaufen. Jeder, der vor um 10.00 Uhr ankommt, darf auch ohne Führung durch das Lager laufen. Viele Baracken in Auschwitz I sind geöffnet und beherbergen verschiedene Ausstellungen. Auch ohne Führung kann man viel lernen. Wir laufen ziellos durch das Lager und sind pünktlich um 9.30 Uhr am Schalter, kaufen 2 Karten. Zusammen kostet es ca. 12 Euro, da wir Studenten sind. Insgesamt sind es 4 Stunden Führung durch Auschwitz I und Auschwitz II. Es ist niederschmetternd! Auschwitz I ist mitten im Ort Oświęcim, weil die polnische Armee dort zuvor eine Kaserne mit 20 Gebäuden hatte. 8 weitere wurden hinzugefügt und zunächst wurden ausschließlich polnische Intellektuelle eingesperrt. Später kamen 15.000 sowjetische Kriegsgefangene dazu, von denen nicht einmal 100 überlebten. Erst später, mit der Errichtung von Auschwitz II, besser bekannt als Birkenau, wurden Juden aus ganz Europa angefahren. Man begann jetzt auch, Frauen und Kinder in größerem Stil einzusperren. Bis 1945 wurden in diesem KL 1,1 Millionen Menschen ermordet! Über 800 Kinder wurden dort geboren. Davon überlebten 64 und das auch nur, weil die Russen kurz nach der Geburt ankamen. Im Stammlager Auschwitz I hatte Rudolf Höss seinen Wohnsitz. 60 Meter Luftlinie entfernt vom Krematorium I mit Gaskammer spielten seine 5 Kinder in einem prachtvollen Garten, kochte seine Frau das Essen und schliefen alle einen wahrscheinlich viel zu guten Schlaf. Währenddessen mussten die Häftlinge teilweise 11 bis 15 Stunden lang bei jedem Wetter stehen und sich in hasserfüllten brüllenderweise vorgetragenen Reden anhören, was für Gesindel sie doch seien. Verletzte Menschen wurden in den Sanitätsblock gebracht. Dort gab es keine medizinische Ausrüstung, nur Liegen. Dort lagen sie, bis sie als zu schwach zum Arbeiten deklariert wurden. Es folgte die Gaskammer. 12 Stunden oder mehr harte Arbeit am Tag hatten die Häftlinge auszuhalten. Dafür bekamen sie 1500 kcal pro Tag zu Essen. Zum Vergleich: Ich benötige ca. 1800 kcal pro Tag, um nur meine Lebensfunktionen aufrecht zu erhalten. Das Niederschmetternste waren jedoch jene Dinge, die man nach der Lagerbefreiung fand. Gigantische Mengen an Schuhen. Alle sind 100% original. Jeder dieser vielen vielen vielen Tausend Schuhen gehörte einem Häftling, der mit über 90%iger Wahrscheinlichkeit noch im KL starb. Viel schlimmer als die Schuhe waren jedoch die Haare der Häftlinge. Bei Ankunft der Menschen wurden sie am ganzen Körper kahl geschoren. Die Haare wurden verwendet, um Perücken herzustellen, Kleidung und Teppiche daraus zu weben oder als Dämmung genutzt. Die Asche der verbrannten Menschen wurde als Dünger für den Ackerbau im ganzen deutschen Einflussgebiet verwendet. So standen wir vor 2 der 5 TONNEN Menschenhaar, die bei der Befreiung gefunden wurden. 2 Tonnen Menschenhaar nimmt einen Raum der Größe von 2 bis 3 normalen Wohnzimmern ein. Ich musste die Tränen der Betroffenheit zurückhalten. Wenn ich gewollt hätte, hätte ich auf der Stelle losheulen können. Man muss sich vorstellen, dass das alles originales Haar ist, keine Attrappe, keine Visualisierung, kein Foto. Es ist alles echt. Jedes Gramm dieser 2 Tonnen, die nicht mal die Hälfte dessen sind, was man nicht mehr schnell genug vernichten konnte. Es ist entsetzlich! Ausstellungen über den Lageralltag, die Lebensbedingungen – es wird nicht besser. Viele hielten nicht mal einen Monat durch. Wir sahen Originalbücher, in denen gestorbene Personen aufgeschrieben wurden. Alle 5 Minuten starben mehrere Menschen, alle 5 Minuten!!! Nur in Auschwitz! Da gab es Birkenau noch nicht einmal!
In Birkenau gab es 4 Krematorien. Mit Inbetriebnahme dieser wurde das Krematorium I abgeschaltet. Krematorium 2 und 3 waren in der Lage, je über 1000 Personen gleichzeitig zu vergasen und 1400 Leichen pro Tag zu verbrennen. Das reichte manche Tage nicht aus, so dass die kleineren Krematorien 4 und 5 immer wieder verwendet werden mussten. Immer wenn ein neuer Zug ankam, wurden die Lauffähigen von den nicht mehr Lauffähigen getrennt. Bis zu 75% der Leute konnten nach bis zu 11 Tagen fahrt ohne Essen und Trinken nicht mehr laufen. Die wurden direkt vergast. Alle anderen wurden in Pferdeställen untergebracht. Diese Pferdeställe waren für nicht einmal 50 Pferde ausgelegt. Dort lebten dann über 600 Menschen. Sie durften 2 Mal am Tag auf die Toilette, nahezu alle hatten Durchfall und waren Inkontinent. Das alles lief vom obersten Stockwerk der 3 Etagenbetten bis ganz nach unten durch. Dort schliefen die, die zu schwach waren, einen oberen Platz zu bekommen. Die Ställe waren nicht gedämmt, sie hielten nicht einmal den Wind komplett ab. Es ist furchtbar, sich das heute anzusehen, sich diese Lebensumstände vorzustellen und zu sehen, welche Dinge zu tun Menschen in der Lage sind! Der Besuch des KLs Auschwitz-Birkenau war ein bedrückendes Erlebnis. Dennoch, den Besuch war es wert und ich würde es jedem nahelegen.

von überall in Europa wurden Opfer geholt

verbliebene Asche der Toten

Gleise nach Birkenau

in solchen Waggons wurden bis zu 100 Leute gequetscht für bis zu 11 Tage!

Unterkunft in Birkenau

Latrinen in Birkenau, durchschnittliche Zeit pro Häftling pro Gang: 5 Sekunden

Krakau, die letzte Station in Polen


So klasse Lublin auch war, Krakau toppt es! Wir haben viele tolle Leute kennengelernt, gefeiert, eine tolle Stadt gesehen, das Auto bemalt… aber immer der Reihe nach.
Am Donnerstag kamen wir an, in der früheren polnischen Hauptstadt. Es ist so ziemlich die einzige Stadt Polens, die während des 2. Weltkrieges nicht zerstört wurde. Vergessen wir nicht – Polen war der eigentliche Verlierer des Krieges. Erst kamen gleichzeitig die Deutschen und die Russen. Dann scheuchten die Deutschen die Russen weg und dann alles wieder retour. Alles war zerstört! Nur Krakau nicht. Das sieht man! Es ist eine wunderbare alte Stadt, die eindrucksvoll vom Ruhm und Reichtum der vergangenen Jahrhunderte berichtet. Bis heute trägt sie offiziell den Titel „Königsstadt“. Im Herzen der wahren Krakauer ist sie bis heute die eigentliche Hauptstadt Polens. Kein Wunder, dass Warschauer und Krakauer Einwohner nicht wirklich gut aufeinander zu sprechen sind. Nach unserer Free Walking Tour durch die Stadt bekamen wir einen Zettel ausgehändigt, der neben wichtigen Adressen wie Kneipen auch wichtige Übersetzungen ins polnische bereithielt. Zum Beispiel:

Du hast einen schönen Arsch.
Kannst du mir einen PIN Code zu deinem Herzen geben?
Das ist nicht meine Freundin. Ich kenne diese Frau nicht.

Neben diesen überlebenswichtigen Phrasen war auch abgedruckt:
Ich mag Warschau nicht.

Zunächst konnten wir den Einheimischen unsere Gedanken allerdings noch nicht so gut klarmachen. Das war auch kein größeres Problem, immerhin fuhren wir auf direktem Wege zu Mazsek, einem Freund von Marcus aus Sevilla. Wir kamen erst gegen 22 Uhr an und wurden herzlich empfangen. Wir bekamen einen Platz zum Schlafen und brauchten nicht mehr lange, bis wir im Reich der Träume eingefangen waren.
Der nächste Tag begann für uns mit frühem Aufstehen. Warum steht man im Urlaub früh auf? Nun für die Antwort muss ich etwas weiter ausholen. Zunächst sei festgehalten, dass unsereins zur Gattung „Mensch mit unverschämt viel Glück“ zählt. Zum einen läuft unsere Reise gestern seit genau 3 Wochen. Es gab noch keinen Tag, an dem wir uns gelangweilt, uns richtig angekotzt oder eine falsche Entscheidung getroffen hätten. Bei unserer Anreise in Krakau wurde uns offenbart, dass wir uns ein einmaliges Wochenende ausgewählt hatten, um in Krakau zu residieren. Das einmalige an eben jenem vielverheißenden Wochenende war nämlich, dass ein im Jahr einmaliges Spektakel der Krakauer Studentenschaft stattfand. Es ist eine Woche des Wahnsinns, des Feierns, der betrunken und ausgelassenen Studenten. Letzteres findet fern vom Zentrum ab. Der Wahnsinn jedoch fand direkt am Freitagvormittag mitten im Stadtzentrum statt. Das heißt, es fand ein Studentenumzug statt, an dem sich Studenten aller 7 (!!!!!) Universitäten Krakaus beteiligten. Zusammen sind sie 200.000 an der Zahl, also die Studenten, nicht die Umzugsteilnehmer. Das bedeutet, dass fast jeder 4. Einwohner Krakaus ein Student ist. Wahnsinn! Jetzt aber zurück zum Thema! Alle Umzugsteilnehmer waren meist kreativ und nicht selten mit sehr großem Aufwand verkleidet. So unkenntlich gemacht liefen diese jungen und gutgelaunten Menschen durch das Stadtzentrum. Das wollten wir nicht verpassen und so mussten wir also früh aufstehen. Weil das aber nicht immer so unsere Sache ist und Marcus zwischendurch für eine gute Zeit sein Portmonee nicht finden konnte, sahen wir nur noch das Ende des Umzuges. Egal. Es war faszinierend. Die gute Laune steckte an. Jeder ließ sich bereitwillig fotografieren. 


Man beachte, wie der Tod seine Freundin an der Hand hält. Wo er sie wohl hinführt?


Jetzt aber schnell!




DAS ist mal ein fetter Arsch ;)

Schneewitchen

David Guetta auf polnisch: Dejwid Z GETTA zu deutsch: Davids Ghetto

Ghostbusters

AHHHH 


so sah das da aus und wir waren schon ganz schön weit vorne



die Biene wird fotografiert

Angus Young war auch mit von der Partie, gut gehalten hat er sich!

AHHHH

ARHHHHHHH


Man beachte die Statue, wie sie alle auffordert, zu feiern



unsere Gruppe

Wir kamen mit lustigen Leuten ins Gespräch. Ein befreundetes Paar Mazseks (eine Polin und ein Franzose, die sich bei ihrem Erasmussemester in Frankreich kennenlernten) kam zu unserer Gruppe dazu. Gleiches geschah mit 2 Bekannten von Marcus aus Sevilla. Der Franzose kannte einen Italiener, der sich zu uns gesellte. Mazsek kannte eine Spanierin, die ihren Britischen Lover mitbrachte. Außerdem gesellte sich noch eine weitere Polin zu uns und so waren wir eine recht bunte Gruppe. Erste Amtshandlung als Gruppe: Bier kaufen! Trinken ist so eine Sache. Uns als Deutschen erscheint das unheimlich seltsam aber in den meisten anderen Ländern ist Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit verboten. In Polen kostet das zum Beispiel 50€. Nun wird natürlich trotzdem gesoffen, wie verrückt. Bei dieser gigantischen Veranstaltung waren aber natürlich überall Polzisten, die ganz scharf darauf waren, für ein geöffnetes Bier zu kassieren. Apropos Veranstaltung, das habe ich euch ja noch gar nicht gesagt! Es war nämlich nicht nur ein Umzug. Auf dem Marktplatz Krakaus (dem größten der ganzen Welt) war eine große Bühne aufgebaut und all diese Studenten waren ganz heiß darauf, ein großes kostenloses Konzert genießen zu dürfen. So war der Marktplatz also überfüllt, wir mittendrin und alle genossen einfach diesen Tag, der nebenbei auch noch mit wunderschönem Wetter aufwarten konnte. Nachdem wir uns jetzt unser Bier gekauft hatten, gingen wir auf eine Terrasse. Diese Terrasse gehörte zu einem sehr günstigen Restaurant. Schnitzel mit Kartoffelbrei und Salat waren keine 4€. Erst der Pfannkuchen, den ich dazu kaufte, machten die 4€ voll. Da wir ja Geld bezahlt hatten, konnten wir dort auch unser Bier trinken und dabei nicht zuletzt Krakau von oben bestaunen. So saßen wir dort 4 oder 5 Stunden. Redeten miteinander, wo wir alle schon waren, wo wir alle hingehen wollen, wie gut uns das Wetter gefällt, die Stadt auch und wie schön doch dieser Tag ist! Wir saßen dort, bis die schlossen.
Blick von der Terrasse 1

Blick von der Terrasse 2

Mazsek argumentiert hart

Vor lauter Irritierung gingen wir also in einen Biergarten. Es wurde langsam ganz schön kalt. Selbstverständlich hatte ich nicht daran gedacht, dass die Hitze ohne Sonne nicht mehr so krass ausfallen könnte. So musste ich ein bisschen zittern, als ich mein Bier im ehemaligen jüdischen Viertel in einem schicken Biergarten trank. Bei dem darauf folgenden Marsch wurde mir aber wieder warm. Wir hatten nämlich eine halbe Stunde Fußweg vor uns. Ziel war eine Privatwohnung von Freunden Mazseks. Dort sollte an diesem Abend eine Hausparty steigen. Auf dem Weg kauften wir noch eine Flasche Vodka. Die Polen halten sich nicht lange mit Bier auf. Da muss was Richtiges her. Mit der Flasche bewaffnet betraten wir die Wohnung. Es war um 10. Alle waren bereits betrunken. Es wurde Gitarre gespielt, auf dem Balkon geredet, in der Küche geschnattert und neben der Gitarre wurde mehr gegrölt als gesungen. Es war ein spaßiger Abend mit vielen netten Gesprächen. Übrig blieb eine Einladung zum Frisbee Spielen am nächsten Tag und dafür eine Nummer. Der zur Nummer gehörende Name ist praktisch nicht aussprechbar. Macht nichts, wir haben einfach einen großen Zischlaut von uns gegeben, um ihn anzusprechen. Das Frisbee Spielen musste allerdings noch warten. Zunächst war eine kurze Nacht angesagt und danach noch früheres Aufstehen. Immerhin wollten wir um 11 im Zentrum sein, um die Free Walking Tour durch die Altstadt noch zu erreichen. Wie schon öfter zuvor in fremden Städten erreichten wir den Treffpunkt mit perfekter deutscher Pünktlichkeit genau auf die Minute. Und das, ohne auch nur einmal vorher ausprobiert zu haben, wie lange wir brauchen oder wie lange die Bahn fährt oder wann eine geeignete Bahn kommt. Irgendwie klappt das immer! Krakau ist wirklich einen Besuch wert, auch ohne dieses gigantische Studentenfestival!
Passt auf die Mongolen auf!

Wehrt euch!


Wunderschöne Innenstadt, sehr gut erhaltenes altes jüdisches Viertel, Schindlers Fabrik und gleich nebenan auch Auschwitz. Während der Tour sahen wir die Innenstadt, Reste der alten Stadtmauer, den Park, der wie eine Stadtmauer in einem 3km langen Ring einmal rund um die Innenstadt reicht und das Wawa Schloss. Die Kirche des königlichen Hofs verfügt über eine einmalige Sicherheitsvorkehrung. Dort hängen nämlich Drachenknochen im Eingang. Nur wenn diese Knochen zu Boden fallen, kann die Welt untergehen. Die Menschen früher waren natürlich auch nicht dumm und haben sie daher an ordentlichen Ketten aufgehängt. Damit wären alle Weltuntergangsvorhersagen für 2012 jedenfalls erst mal gebannt, die Kette sieht noch gut aus, das kann ich als angehender Ingenieur mit Sicherheit aussagen!
Drachenknochen

Drachen

Marcus bekommt nicht genug, erst Frisbee, dann auch noch Tennis!

Das Eichhörnchen sonnt sich und macht auch Pause!
Nachdem wir auf umständlichste Art und Weise den Park erreicht haben, in dem wir uns zu Frisbee Spielen verabredet hatten, ging es auch gleich los. Der richtige Frisbee Spieler bereitet sich dadurch vor, dass er das T-Shirt ablegt und die Frisbee zwischen Daumen und restlichen Fingern einklemmt, denn Arm eindreht, das Ziel anvisiert und dann Kraft seines Frisbeewurfarms die Scheibe ins Rotieren bringt. Sie fliegt dann direkt, praktisch schnurgerade und mit einer gigantischen Wucht in die ebenso kraftvolle Hand des Gegenübers. Hört sich leicht an. Ist es nicht. Schon gar nicht, wenn 2 Scheiben gleichzeitig zwischen 5 Leuten hin und herfliegen. Es ist ein toller Spaß. Zwischendurch ruhen wir uns aus, indem wir uns auf einer Decke eine Flasche Wein teilen. Dabei wandern unsere Augen natürlich immer durch den Park, die 50€ wäre der Wein nämlich nicht wert! Es geht gut, der Wein schmeckt, die Frisbee fliegt wieder. Nach getaner Arbeit verabschieden Marcus und ich uns mit dem hohen und heiligen Versprechen, dass wir nicht wieder nach Krakau einmarschieren. Der Mann mit dem seltsamen Namen freut sich darüber, verabschiedet uns freundschaftlich und wir gehen, nicht ohne uns ein Eis zu kaufen, zurück zu Mazsek. Zwischendurch machen wir Halt bei einem Baumarkt. Farben wollen wir kaufen. Unser Auto soll bunt werden! Wir haben uns auf der Terrasse über Krakau mit der Polin, die zu dem Italiener gehörte, verabredet, unser Auto zu bemalen. Zunächst jedoch stürzen Marcus und ich uns nacheinander unter die Dusche, halten einen kleinen Powernap und schon geht es wieder los. Fußball. FC Bayern München gegen Chelsea London. Die Tommys machen uns fertig. Die Stimmung ist großartig. Ich brauche einen Vodka. Also ab in eine Bar. 5cl Vodka für 1€, dazu ein Bier, auch 1€. Man will ja den Vodka Geschmack sofort wegspülen. Austrinken und los geht’s in die Studentenstadt. Diese Studentenstadt ist Teil dieses Umzugs. Für eine Woche übergibt der Bürgermeister Krakaus nämlich den Studenten symbolisch den Schlüssel zur Stadt. Es gibt bei den Ingenieursfakultäten einen Bereich der Stadt, der für öffentliche Autoritäten nur zugänglich ist, wenn sie direkt dorthin gerufen werden. Es herrscht Festivalatmosphäre. Alles ist vermüllt. Neben uns schläft einer bereits um halb 2 in der Nacht seinen Rausch aus, eingeklemmt zwischen 2 Streben eines Geländers. Später wird er aufstehen wollen, es wird 10 Minuten benötigen, bis er steht. Er wird direkt wieder einschlafen, jedoch dabei stehen bleiben. Danach wird er unter größten Anstrengungen lostorkeln, um neuen Schnaps zu finden. Wir stehen im Kreis, unterhalten uns, trinken Vodka und unterhalten uns weiter. Es ist ein toller Abend! Alex, Mitglied unserer Gruppe, ist ein polnisch – deutsch bilingual aufgewachsener Student unseres Alters, der große Zeit seiner Jugend in London verbracht hat. Ola, zu Deutsch Alexandra, berichtet von ihren Reisen nach Südamerika, von merkwürdigen Drogenkontrollen an allen Flughäfen nach ihrer Rückreise aus Kolumbien und taumelt dabei immer mehr. Es ist Zeit, zu gehen. Um halb 5 liegen wir im Bett. Mittag sind wir wieder in der Stadt. Marcus möchte sich mit einer Bekannten treffen. Ich treffe mich mit Daga, um den Bus zu bemalen. Ein Bild stellen wir fertig und die Motorhaube wird hippiemäßig verziert.
Künstler bei der Arbeit

Kunstwerk fertig

stolze Künstler

Am Abend fahren wir dann noch nach Auschwitz, denn am Morgen wollen wir die erste Führung bekommen. 10 Kilometer entfernt finden wir einen kleinen Dreckweg in ein Waldstück und dort finden wir einen Stellplatz an einer sehr breiten Dreckstraße. Am nächsten Morgen werden wir geweckt durch an uns vorbeirasende Baustellenfahrzeuge mit sehr neugierig schauenden Fahrern. Wir beschließen, schnell weg zu fahren. Direkt neben dem Konzentrationslager, original eigentlich KL abgekürzt (ist doch auch viel sinnvoller als KZ) halten wir und essen Frühstück. Danach geht es los.
kurz vor Auschwitz am späten Abend