Es war eine lange aber unspektakuläre Fahrt nach Polen. In
Polen zog es uns in die Nationalparks, die im Nordosten Polens liegen. Dort
gibt es 4 Stück: Wigry – der kleinste, Biebrza – der größte, Bialowieza – der
älteste und bekannteste und einen vierten ;) Jetzt ratet mal, welchen von den
vieren wir nicht besucht haben…
Es fing an mit Wigry. Wigry ist ein Dorf. Es hat einen
tollen See – den schönsten See des Nationalparks. Es führt ein Wanderweg um den
See herum, der deutlich über 40 km lang ist! Außerdem gibt es in Wigry einen
Campingplatz direkt neben dem ehemaligen Kloster, das jetzt ein Hotel mit
wunderbarer Aussicht auf den See ist. Wigry selbst liegt auf einer Halbinsel.
Es ist wunderschön dort. So schön, dass wir uns doch entscheiden, 2 Nächte zu
bleiben. Aber der Reihe nach. Zunächst war es noch wunderschönes Wetter, die Sonne schien, es
war warm, also gingen wir gleich mal baden. Immerhin kostete die Dusche extra
und warum sollten wir für eine Dusche bezahlen, wenn der See umsonst ist und
wir 100% BIO Waschseife für die Dusche in Seen und Flüssen dabei haben? Also
ausgezogen und die angenehme Sonne auf der Haut gespürt. Ab zum See, dafür
benötigte man bestimmt 20 Schritte!
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| unser Wohnort für 2 Nächte, wunderschön, oder? |
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| Blick von gleich neben dem Campingplatz |
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| Gelobtes Land!! |
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| Kraftsport - das war echt schwer!! |
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| Die Geste passt schon, nur der Mönchskittel fehlt noch |
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| entspannen am See |
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| Posen am See |
Ein Fuß rein ins Wasser – brrrrrr, kalt. Zweiten
Fuß rein ins Wasser – wämer wird das trotzdem nicht! Also ganz rein und ganz
schnell wieder raus! Marcus ist ordentlich geschwommen, mir war das zu kalt und
so bin ich draußen geblieben. Schön war es trotzdem! Danach hatten wir Hunger
und kochten uns – wie kreativ – Nudeln. Die Tomatensoße habe ich mal auf eine
neue Art probiert. Ich habe Öl in der Pfanne richtig heiß gemacht und in dem Öl
Thymian und Rosmarin „fritiert“. Nach kurzer Zeit habe ich 2 in ganz dünne
Scheiben geschnittene Knoblauchzehen reingeworfen. Die wurden schneller braun,
als man „Wer nochmal sagt, Kochen im Auto ist unmöglich, der soll uns mal
besuchen kommen!“ sagen kann. Also schnell die gewürfelten Tomaten aus der Dose
rauf, etwas Tomatenmark ran und mit Salz, Paprika, Cayennepfeffer und Basilikum
abschmecken. Genial! Wir haben 500 Gramm Nudeln gegessen, weil es so lecker
war. Danach haben wir einen kleinen Spaziergang gemacht und festgestellt, dass
neben dem Schweizer, der eigentlich Pole ist, seit 40 Jahren in der Schweiz
wohnt (wie auch immer er das gemacht hat) und den Zeltplatzbetreibern jedes
Jahr etwas aushilft, auch noch ein weiteres polnisches Auto dort steht.
Dahinter steht ein junger Mann und spielt auf einer E-Gitarre mit einem kleinen
Verstärker System of a Down – Hypnotize. Na, den müssen wir kennen lernen! Er
spricht Englisch. Sehr gut. Er sagt, er verkauft vor dem Kloster dieses
alkoholfreie Brotbier, das es auch schon in Litauen gab. Direkt im Anschluss
fragt er, ob wir etwas Vodka probieren möchten, echter polnischer
selbstgebrauter Vodka (wer’s glaubt…). Wollen wir natürlich. Also zieht er
einen 5 Liter Wasserkanister aus dem Auto, der noch fast voll ist, und drückt
uns den in die Hand. So kommt es, dass ich das erste Mal in meinem Leben Vodka
aus einem 5 l Wasserkanister saufe. Nur einen Schluck. Gut ist er, da kann man
nichts sagen und das sogar, nachdem das Gelumpe einen ganzen Tag im warmen Auto
stand. Zunächst lassen wir ihn aber allein mit seinem Vodka und gehen
spazieren. Es wird kein langer Spaziergang. Die Mücken stechen uns zu Tode und
meine Bundeswehr – Badelatschen sorgen für eine Blase an der Seite meines
rechten Fußes – Aua. So gehen wir zurück und unterhalten uns mit dem soeben
kennengelernten Tomek. Es stellt sich heraus, dass Tomek 17 Jahre ist und weit
davon entfernt ist, sich selbst gefunden zu haben. Er sei Satanist, habe den
Teufel und Ufos gesehen – mehrmals. Außerdem redet er immer davon, er würde
hier verkaufen. Das tut er nicht. Sein Vater verkauft und er fährt mit, weil er
die Ruhe genießt, stellt sich heraus. Eine Zeit lang ist es ganz angenehm. Dann
wird es nervig. Zusammen sitzen wir später am Wasser. Es ist noch sehr warm.
Rund um uns herum blitzt es. Gewitter – überall. Nicht über uns. Über uns
strahlen die Sterne. Sie leuchten so intensiv, wie ich es selten gesehen habe. Unter uns – wir
sitzen auf einem Steg – liegt der See. Ganz ruhig. Es ist mystisch. Immer
wieder leuchtet ein Blitz durch die Wolken um uns herum und es entstehen
merkwürdige und abstrakte Lichtfiguren im Himmel. Wir sind baff und es redet
keiner mehr. Als es gegen 11 anfängt, auch bei uns zu regnen, geht Tomek in
sein Auto und wir in unseres. Der nächste Tag ist kühl und zunächst regnerisch.
Wir verbringen den ganzen Tag im Auto und faulenzen. So etwas hatten wir zuvor noch
nicht gemacht – einen Faullenztag. Es tat gut. In Wigry gab es einen
öffentlichen Hotspot, also hatten wir Internet umsonst und konnten so viel
Kontakt zu unserer Außenwelt halten. Ich liebe das Internet! Am Abend spazieren
wir eine deutlich größere Runde und genießen die Natur im Nationalpark dicht an
dicht mit kleinen Siedlungen. Hier leben Mensch und Natur noch dicht an dicht
friedlich zusammen. Es ist wirklich wunderschön hier!
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| ein kleines Nickerchen tut immer gut! |
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| Das Haus der Träume! Ich muss wohl nach Polen ziehen! |
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| Ich habe ewig in den Himmel gestarrt! Ich hoffe, der Himmel kommt annähernd so genial rüber, wie ich ihn in echt gesehen habe! |
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| ein verlassenes Boot am See |
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| Nein! 2 verlassene Boote. Sie laden zum Träumen ein... |
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| Wo sind wir doch gleich? |
Am Abend „dusche“ ich
mich noch einmal im See. Wir haben gemütliche 13°C Lufttemperatur und das
Wasser fühlt sich auch nicht viel wärmer an. So bleibt es eine kurze Dusche.
Auch in der Nacht kann man nicht von Hitze sprechen. Am Morgen wollen wir
unsere Schlafsäcke nicht verlassen, quälen uns irgendwann dann aber doch heraus
und fahren los – mit voll aufgedrehter Heizung. Es geht ca. 80 Kilometer weit
in den Biebrza Nationalpark. Wir finden in einem kleinen Ort – Delowo heißt er
– einen Campingplatz und fahren da rauf. Hier kann man Fahrräder und Kajaks
mieten und der Platz ist schön. Mirek, der Betreiber, ist Mitte 40 und spricht
sehr gut Deutsch. Er empfiehlt uns eine Fahrradtour und eine Kajaktour. Da es
erst Mittag ist, entschließen wir uns, noch am gleichen Tag mit den Fahrrädern
zu starten. Der Biebrza Nationalpark ist ein großes Sumpfgebiet. Es ist
Flachland und Wälder sucht man vergebens. Dafür leben hier viele seltene Tiere,
neben Vögeln übrigens auch Elche. 181 verschiedene Vogelarten (davon 17 vom
Aussterben bedrohte) brüten hier im Frühjahr. Es ist ein Paradies für Ornithologen.
Das sind wir nicht und wir stellen etwas traurig fest, dass wir diesbezüglich
überhaupt keine Ahnung haben. Wir sehen viele Vögel und tolle Pflanzen, schauen
dabei aber wie das wortwörtliche Schwein ins Uhrwerk.
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| Was sind das nur für Pflanzen? |
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| Irgendwann sehen sie dann so aus |
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| hinter uns ein Geräusch. Was ist es? Ein Hund! |
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| andere verrückte Pflanzen, ich habe sowas noch nie gesehen! Faszinierend! |
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| Das Eichhörnchen mag den Geruch dieser Pflanzen jedenfalls! |
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| schon wieder Pflanzen, die ich so noch nie gesehen habe, weiß jemand etwas darüber? |
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| 2 Schattengestalten im Sumpf, wer mag das wohl sein? |
Am Ende der Fahrradtour
tut mein Hintern furchtbar weh. Der nächste Tag bringt eine Kajaktour. Es ist
sonnig und warm und wir sind bereits 8:30 super munter im Auto. Halb 11 sitzen
wir im Kajak auf der Biebrza und paddeln los.
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| Entspannung für mich... |
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| ...Arbeit für Marcus |
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| Herrlich ist es auf dem Wasser! |
Wir paddeln Schwänen hinterher.
Wunderschöne Tiere sind das so aus der Nähe. Wenn wir ihnen zu nahe kommen,
fliegen sie los. Sie rennen buchstäblich über das Wasser und benötigen zum
Abheben so viel Weg wie eine Boeing 747. Wahnsinn. Trotz allem irgendwie
anmutig. Während diese großen Vögel mit ihren langen nach vorn gestreckten
Hälsen sich abstrampeln und versuchen, Land (eigentlich Luft) zu gewinnen,
entsteht eine Geräuschkulisse, die man gehört haben muss. Bedenkt – es ist ganz
ruhig überall. Nur Vögel zwitschern. Dann kommt das aufgeregte, heisere Röcheln
dieser Tiere dazu, kombiniert mit dem Rauschen des Wassers, während sie über selbiges laufen. Der Flügelschlag ergänzt dieses Miteinander von Geräuschen
zu einem atemberaubenden Moment. Als ich das das erste Mal sehe und höre,
knallt mir der Unterkiefer zwischen meinen Beinen auf den Bootsboden. Es ist
beeindruckend. Auf diese Art und Weise treiben wir immer mehr Schwäne vor uns
her. Am Ende sind es sicherlich 8 oder 10 Stück. Wenn die zusammen losfliegen,
ist das der Wahnsinn.









Wir sehen Reiher, wir sehen Weißflügelseeschwalben und
einen Haufen Vögel, die wir nicht näher benennen können. Außerdem pisacken uns
die Mücken weiterhin. Meine Beine sind komplett zerstochen. Wir kommen an eine
Schleuse und wollen die passieren. Den Betreiber dieser Schleuse finden wir
erst nicht, also frage ich einen Traktorfahrer. Der kann natürlich ausschließlich
polnisch. Er bringt mich zum Schleusenwärter. Der kann auch nur polnisch,
kapiert aber, was ich möchte und schleust uns endlich durch. Nach der Schleuse
finden wir jedoch die Abzweigung, die wir nehmen wollen, nicht und müssen den
gleichen Weg zurück. Nochmal dieses ganze Geschleuse wollen wir aber nicht
haben und so entschließen wir uns, das Boot an einem Wehr rauszuziehen,
umzutragen und nach der Schleuse wieder einzusetzen. Die Vorstellung ist echt
sehr leicht. Die Handlung nicht so sehr. Es geht trotzdem mit viel Kraft. Vor
allem das Einsetzen des Bootes bereitet uns einige Schwierigkeiten, da der Steg
über einen halben Meter über der Wasseroberfläche ist und wir das Boot nicht
einfach nur reinwerfen wollen. Danach geht es zurück im hohen Tempo. Der nächste
Tag sollte uns beiden Muskelkater in Schulter und Rücken einbringen. Für den
Moment macht es einfach nur Spaß. So kommt es, dass wir auf dem Rückweg ca. 8
km in einer Stunde zurückgelegt haben, was im Kajak schon recht fix ist.
Insgesamt sind wir knapp 20 Kilometer gepaddelt und sind kaputt. Trotzdem geht
es an diesem Tag noch weiter in den nächsten Park – Bialowieza. Bialowieza ist
ein Naturschutzgebiet, dessen Bereich zu 40% auf polnischem Staatsgebiet liegt
und zu 60% auf weißrussischem. Hier findet man einen der letzten Urwälder
Europas. Wir reden hier von bis zu 600 Jahre alten Eichen und ähnlichen
beeindruckenden Bäumen. Hier gibt es die letzte wild lebende Bisonherde
Europas.
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| Achtung! Bisons können über die Straße laufen! Das würde dem alten Franzosen sicher nicht so gut tun ;) |
Wir finden einen Campingplatz und während wir uns offiziell bei der Rezeption
einschreiben, kommen 2 Franzosen in unserem Alter an. Wir beschließen, später
mit ein paar Bier zu ihnen rüberzugehen. Sie mieten sich ein Zimmer an und
setzen sich auf die Veranda mit jeweils einem Bier. Keine 10 Minuten später
sitzen wir bei ihnen. Sie sprechen sehr gutes Englisch und wir reden den ganzen
Abend über Roadtrips, Renault, Bier und Polen. Irgendwann werden wir müde und
frieren uns zu Tode. Wir wollen nur noch in unsere warmen Schlafsäcke. Marcus
geht am Abend noch Duschen, ich am nächsten Morgen. An der Rezeption hieß es,
es gäbe warmes Wasser „Non Stop“. Das freut uns, ist es doch die erste warme
Dusche seit langer Zeit. An den Duschen hängen Durchlauferhitzer. Die sind
nicht annähernd in der Lage, das Wasser warm zu bekommen. Selbst lauwarm wäre
übertrieben. Dennoch – wir konnten uns reinigen. Es geht los zur
Touristeninformation. Wir wollen wissen, wie wir in das Naturschutzgebiet
kommen und einige Informationen dazu bekommen. Wir lernen, dass man in das
eigentliche Naturschutzgebiet nur als Teilnehmer einer Führung kommt. Die muss
man buchen und das geht nicht von jetzt auf gleich. Dafür bekommt man einen 8
km langen Rundgang und all die Erklärungen, die man benötigt, um dieses Gebiet
in seiner Schönheit zu genießen. Weil wir am Nachmittag abfahren wollen,
entschließen wir uns dagegen und ziehen auf eigene Faust durch das weniger
strenge Naturschutzgebiet. Hier sehen wir immerhin eine 400 jährige Eiche und
finden einen wunderschönen Pfad durch den Wald. Der ist zwar abgesperrt aber um
die Schranke führt ein kleiner Trampelpfad herum. Der Weg ist sehr vermodert.
Das macht diesen Spaziergang unvergesslich. Diese Atmosphäre ist überwältigend!
Die klare Luft, das Vogelgezwitscher, das Licht, das hier und da durch den Wald
scheint, die unberührte Natur – alles zusammen ergibt solch ein dicht
geschnürtes Paket an Wahrnehmungen, dass man es mit den besten Kameras, den
besten Objektiven, den besten Mikrophonen niemals einfangen könnte. Man muss
schon selbst dorthin fahren und sich dem Wald gegenüber öffnen. Die Sinne
schärfen, den Gedanken freien Lauf lassen und schon fängt der Wald an, zu
wirken!
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| So sieht es dort aus! |
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| Krasse Musterung! |
Nach dieser Erfahrung und einigen Schnitten fahren wir los Richtung
Lublin. Dort wohnt eine Bekannte aus Marcus‘ Zeit in Spanien.
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