Montag, 11. Juni 2012

Von Land und Leuten – von Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Mazedonien, Albanien, Montenegro und Besuch


Lange habe ich schon nichts mehr geschrieben. Erst hatten wir Besuch, so dass ich mich nicht zurückzog, um meine Erfahrungen niederzuschreiben. Dann war es schlicht und ergreifend Unlust, sich dazu niederzusetzen. Nach nun über 2 Wochen gibt es aber wieder ein Lebenszeichen von mir.

Nach unseren Wandererfahrungen in der Slovenský Raj führte unser Weg nach Budapest. Am nächsten Tag um halb 9 Uhr morgens bekamen wir nämlich Besuch in Budapest. Chrizzy und Maik hatten sich angekündigt, uns eine Woche zu begleiten. Doch zunächst mussten wir einen adäquaten Platz zum Übernachten finden. Den fanden wir auch – am Rand des Stadtzentrums. Wir hatten uns die Adresse eines Waschsalons aus dem Internet besorgt uns das Navi führte uns zuverlässig an diesen Ort. Ein Hoch auf die moderne Elektronik! (Auch, wenn das Navi alles andere als modern ist…) Über Land benötigt macht das Fahren mit Karte und nach Ausschilderung deutlich mehr Spaß. Man weiß so wenigstens, wo man ist, nimmt die Orte und die Landschaft irgendwie deutlich besser wahr. In der Stadt ist es Gold wert. So fanden wir jedenfalls unser Ziel problemlos und ganz in der Nähe konnten wir unser Auto auch hervorragend parken. Wir mussten nur noch für ein paar Stunden bezahlen. Über Nacht war das Parken dann kostenlos und wir mussten ja sowieso früh wieder weg. Während unsere Wäsche in der Waschmaschine vor sich hin rotierte (was wirklich mal wieder notwendig war!), stellten wir beeindruckt fest, dass wir uns mitten in eine Barlandschaft gestellt hatten. Und günstig war es dort!! Ich orderte in eine Limonade bestehend aus frischem Maracujasaft (wirklich aus der Frucht) und Mineralwasser für 2 Euro auf einen halben Liter! Preislich ist Osteuropa das Paradies. Wir müssen uns gerade wieder an deutsche Preise gewöhnen und wahrlich – es fällt nicht leicht. Doch zurück nach Budapest. In diesem Café suchte ich nach einem Laden, der einen Akku für meinen Laptop auf Lager hatte. Der hatte nämlich kurz zuvor den Geist aufgegeben. Die Verbindung zwischen 2 Zellen war hinüber und der Rechner somit ohne externe Stromquelle unbrauchbar. Der Lenovo Premium Händler war natürlich schon geschlossen. Die haben dort nur bis um 6 offen. Verstehe das, wer wolle! Auf dem Rückweg sah ich einen noch geöffneten Computerladen, der mir die Adresse eines Akkuhändlers gab. Dort bekam ich im Verlaufe unseres Budapest – Aufenthalts dann auch einen neuen Akku. Wir parkten genau neben einem Musikgeschäft. Dort fanden wir dann auch die lang ersehnte Djembe. Eine Djembe ist eine Trommel, die man sich zwischen die Beine klemmt oder auch unter den Arm. Sie stammt ursprünglich aus Afrika. Unser Bus ist jetzt also mit Musikinstrumenten vollgestopft: Gitarre, Didgeridoo und Trommel. Die Nacht kommt und geht und wir stehen am Bahnhof, um unsere Gäste entgegenzunehmen. Wir fahren zunächst zu unseren bereits länger gebuchten Hostels und checken ein. Es folgt erst mal eine Ruhepause. Es gibt viel zu erzählen. Am Abend begeben wir uns in eine Straße voller Restaurants und essen königlich. Am nächsten Tag folgt eine Free City Tour durch Budapest. Es ist eine wunderschöne Stadt. Oft wird sie in einem Atemzug mit Prag genannt. Sie verfügt über eine wunderschöne Uferpromenade. Marcus meint sogar, diese Uferpromenade könne mit Dresden mithalten. Ich bin da ja etwas skeptisch, an mein Dresden lass ich so schnell nichts kommen. Dennoch: schön ist sie! Budapest ist eine Stadt, die aus allen möglichen Diebstählen besteht. Überall stehen Gebäude, die aus allen großen Metropolen der Welt abgekupfert wurden. Das Parlament z.B. ist ein Nachbau des britischen Parlaments, nur größer. Es war lange das längste Parlament der Welt. Mittlerweile verfügt Rumänien über ein noch längeres Parlamentsgebäude. Die vielen Nachbauten rühren daher, dass während des Österreichisch – Ungarischen Reiches auch für den ungarischen Teil eine Hauptstadt eingerichtet werden sollte. Es gab aber keine passende Stadt also verband man die Städte Buda und Pest einfach zu Budapest und schmückte sie aus. Man sieht das auch heute noch. Die beiden Seiten der Städte sind völlig anders aufgebaut. Während die Pest – Seite z.B. über eine sehr klare Straßenstruktur mit 3 kreisförmigen Ringen und 5 Boulevards, die genau ins Zentrum der Stadt laufen, verfügt, kommt die Buda – Seite sehr viel ungeordneter auf der Landkarte daher. Auch die Architektur unterscheidet sich mitunter stark. Die Buda – Seite ist auch etwas bergiger und so kommt es, dass dort 2 Berge inmitten der Stadt aufragen. Auf einem dieser Berge gibt es eine große Statue. Von diesem Ort aus hat man ein einmaliges Panorama. 
Was derjenige sich dabei wohl gedacht hat, als er sein Fahrradschloss abschloss?

Maik stutzt den Bart!

Willkommen!


Budapest Panorama
 
Blick auf das Schloss

Aber auch in der schönsten Stadt kann man nicht ewig bleiben. So zog es uns am nächsten Tag weiter. Natürlich nicht, ohne einmal eine der vielen Thermen besucht zu haben, für die Budapest so bekannt ist. Es ist herrlich – warme, wärmere und sogar noch wärmere Wasserbecken, die zum Teil furchtbar riechen ob ihres Mineraliengehalts, laden zum Entspannen ein. Ein großer Außenbereich mit auf 37°C aufgeheiztem Wasser lassen auch kaltes Wetter vergessen. Eine weitere Therme erlebten wir nochmal in Ostungarn, wo wir Marcus‘ Großeltern trafen. Wir hatten uns einen Campingplatz auserkoren, auf dem wir das Auto sehr gemütlich abstellen konnten. Der Eintritt zu den heilenden Wasserbecken war bereits im Campingplatzpreis inbegriffen und so ließen wir uns das natürlich nicht entgehen. Natürlich war diese Therme weder so groß noch so schön wie die in Budapest. Trotzdem war sie nicht zu verachten. Sie war sauber und hatte doch einige Becken zu bieten. Aus 40°C warmen Wasser in ein 17°C warmes Wasserbecken umzusteigen, erfordert schon etwas Willen. Danach fühlt man sich aber wie neu geboren! Jetzt sollte es aber nach Rumänien gehen! Zuerst wollten wir uns das Kreischgebiet ansehen. Man sagt, dort sei die Zeit stehen geblieben. So ist es auch. Überall fahren die Leute mit kleinen Pferdekutschen rum und transportieren Heu oder verschiedene Waren. Sie leben autark, bauen das an, was sie selbst verbrauchen. Es ist ein Gebiet allgegenwärtiger, überwältigender Armut. Dort taucht man ein in eine Welt, die uns so fremd ist wie das Mittelalter. Am Straßenrand sitzen alte Mütterchen und alte Männer. Nicht selten sieht man auch Gypsies, also Zigeuner. Ich werde den Begriff Gypsies verwenden, da er nicht so negativ besetzt ist wie das Wort Zigeuner, das sich herleitet von „ziehender Gauner“. In Rumänien ist die Gypsy – Problematik sehr aktuell. Die Rumänen hassen die Gypsies von ganzem Herzen. Sie werden ausgegrenzt – in der Schule von den Lehrern genauso wie im öffentlichen Leben. Das Resultat ist, dass sie sich selbst auch abgrenzen und sich den Rumänen gegenüber verschließen. Sie wirken kaum in der Gesellschaft mit, sei es gewollt oder gezwungen. Es ist eine schwierige Situation. Wir haben uns versucht, von ihnen fern zu halten. Auch, wenn sicher nicht alle gemeine Diebe sind, so hören wir doch nichts anderes als solche Geschichten und wollen unser Glück nicht auf die Probe stellen. Als wir das Kreischgebiet, das selbst für Rumänien sehr arm ist, verlassen, erreichen wir Maramures. Maramures ist bekannt für seine alten Holzkirchen. Jedes Dorf hat seine eigene komplett aus Holz gebaute Kirche. 8 von ihnen sind sogar Weltkulturerbe. Jede einzelne Dachschindel ist kunstvoll aus Holz angefertigt. Durch die Verwitterung wird es grau und leuchtet wie Silber, wenn die Sonne darauf scheint.
Bedenkt, das Dach besteht aus nichts anderem als Holz!

die größte Holzkirche der Welt

Typisch für Maramures sind auch die Holztore. Es sind große, kunstvoll gearbeitete Tore, die zu vielen Grundstücken führen. Man sieht diese wunderbaren Stücke Handwerkskunst und gleich dahinter ein altes kleines Häuschen, dass schon lange die eine oder andere Reparatur notwendig gehabt hätte. Es ist ein merkwürdiger Kontrast. Auf einem kleinen von einem ausgewanderten Belgier betriebenen Zeltplatz kommen wir unter. Wir fühlen uns dort wohl. Es regnet und wir sitzen auf einer überdachten Terrasse, essen, machen unbeholfen Musik, erzählen. Dann fahren wir nach Cluj Napoca. Es ist die Hauptstadt Siebenbürgens oder, wie es in Rumänisch heißt, Transsylvanien. 
Ausblick an der Grenze Maramures - Transylvanien

Ein Holztor kennzeichnet die unterschiedlichen "Landkreise"

Hier findet Marcus einen kleinen Freund. Wir können ihn aber nicht mitnehmen.

´Kaum in Transylvanien angekommen gibt es das nächste Abenteuer...

...eine wackelig aussehende Hängebrücke.

Wir überleben sie und Maik findet eine außergewöhnlich große Harke.

Dort lebte Chrizzy 4 Monate lang während ihres Erasmus Semesters. Sie konnte uns die Stadt zeigen, wir trafen eine Freundin von ihr, die dort Zahnmedizin studiert. Sie ist Deutsche und kommt aus München. Man kann hervorragende Gerichte für 3 € im Restaurant bestellen. Für 4,50€ wird man satt und hat dazu sogar noch ein Bier bekommen! Es ist das Paradies! Es gibt eine Markthalle, in der lokal erzeugte Waren angeboten werden. In dieser Markthalle kann man ein Kilo Süßkirschen für weniger als 1,5€ kaufen. Das geht so weiter mit Erdbeeren, Pfirsichen, Aprikosen sowie sämtlichen Gemüsesorten. Es ist frisch, schmeckt ausgezeichnet und kommt aus der Region. Ja, in Rumänien kann man es aushalten. Man merkt in der Stadt nicht, dass man in einem solch armen Land ist. Es ist wie bei uns. Das ist allerdings eine Erkenntnis, die sich immer wieder zeigen soll. In den Stadtzentren merkt man meist keine Armut, egal wie wenig die meisten Menschen in einem Land doch haben. 
Denkmal und Kirche in Cluj

Kraftsport, die erste....

...die zweite...

Puh! Und wieder hoch!

Einen Tagesausflug gönnen wir uns in die Turda - Schlucht. Es ist ein wunderbares Naturgebiet 30 km von Cluj entfernt. Wir sagen uns, wir wollen durch die Schlucht laufen und oben an der Schlucht zurücklaufen. Der erste Teil war recht einfach. Die Wege sind ganz vernünftig. Es ist schön dort.
so machen wir die erste Bekanntschaft mit der Schlucht

...Knips!


AAAAACHTUNG!!!! Stein fällt. Ach verdammt...




 Der Rückweg gestaltet sich schon um einiges schwerer. Es fängt nämlich gerade zu regnen an und praktischerweise laufen wir einen mittlerweile etwas verschlammten kleinen Trampelpfad nach oben. Dank modernster in meinen Kompass integrierter Messtechnologie kann ich erkennen, dass die Steigung sage und Schreibe 50% beträgt. Will heißen: mit unseren durchnässten nicht für solches Gelände gedachten Turnschuhen rutschen wir immer wieder weg. Aber wir schaffen es. Wir kommen oben an. Völlig fertig, durchnässt, durstig. Aber wir kommen an. Der Ausblick entschädigt für einiges.


kaputt... 
Das nächste Problem lässt aber nicht lange auf sich warten. Wir finden unseren Weg auf dem Plateau nicht mehr. Die Beschriftungen auf den Steinen sind furchtbar ausgebleicht. Wir finden eine Kuhherde und auch einen alten Mann, der die Herde heimtreiben will. Er versteht uns nicht und will uns zurückschicken. Da sehen wir es: das Wanderzeichen! Wir sind gerettet. Den Weg hätten wir nie wieder runtergehen können. Wir sind ja hochwärts schon immer wieder abgerutscht aber runterwärts wäre es die Hölle geworden. Der Regen verzieht sich, die Sonne kommt raus. Die Aussicht wird immer schöner.

Ein Wegweiser! Herrlich!






Das letzte Zeichen vor dem Abstieg! Wir sind gerettet!
Nach 5 km Hinweg und weiteren 12 km Rückweg kommen wir wieder beim Auto an. Es gibt einen Imbiss dort. Den Plündern wir. Es gibt Pommes und grobe Würstchen, die richtig gut schmecken! Die Leute dort sich extrem nett. Wir fühlen uns wieder richtig wohl. Wir kaufen noch Kürtöschk, das ist eine hohle Rolle Kuchenteig mit Zucker oder Kakau oder Nüssen oder Kokossplittern bestreut und auf dem Grill gebacken. Für uns ist es das Paradies! In Cluj verabschieden wir unseren Besuch wieder und fahren weiter nach Sibiu, zu Deutsch Herrmannstadt. Diese Stadt ist altes deutsches Siedlungsgebiet. Bis in das 18. Jahrhundert war es auch nur Deutschen gestattet, dort zu siedeln. Das sieht man heute noch sehr deutlich. Das Stadtzentrum sieht sehr deutsch aus. Die Wohnhäuser, der Markt, das Rathaus, alles sieht aus wie in einer kleinen deutschen Stadt.
Befestigungsmauer Herrmannstadts

Anlässlich des Theaterfestivals fährt ein elektrisches Klavier mit einer elektrisch gedrehten echten Ballerina vorbei! Wahnsinn!

Menschenmenge! Die Hölle bricht los!

An dem Tag, an dem wir ankommen, ist die Hölle los. Zunächst wundern wir uns darüber. Dann stellt sich heraus, es ist gerade der letzte Tag eines Theaterfestivals. Wir gehen auf den Marktplatz und stoßen auf ein Konzert. Eine rumänische Band covert diverse Lieder und macht das sehr gut. Das Publikum hat sichtlich Spaß und wir auch. Auf das Konzert folgt eine sehr surreale Vorstellung einer Gruppe. Es fahren sehr fantasievolle Gerüste durch die Zuschauermengen, auf denen als Meerjungfrauen verkleidete Frauen akrobatische zur Musik passende Bewegungen machen. Menschen auf Stelzen, die aussehen wie Aliens, laufen mit einer Art Laserkanone durch die Massen. Man fühlt sich in eine Fantasiewelt versetzt. Es ist wie in einem fantastischen Buch oder Film. Beeindruckend. Wir laufen weiter und sehen von oben auf die mittelalterlich aussehende Stadt. Nach einer Nacht dort fahren wir weiter nach Brasov, zu Deutsch Kronstadt. Brasov ist ebenfalls eine alte deutsche Stadt. Sie liegt direkt an einem Berg, auf den eine Seilbahn fährt. Von oben hat man einen wahnsinnigen Blick. Brasov war auch schon Drehort eines Hollywood Films, weshalb auch in Brasov auf dem Berg der Name der Stadt in gigantischen Lettern geschrieben steht, genau wie in Hollywood. Bemerkenswert ist, dass Brasov von seiner deutschen Minderheit regiert wird. Nur 2% der Bevölkerung Brasovs ist Deutsch. Trotzdem halten sie 2/3 der Sitze im Stadtparlament. Die Partei heißt Forumul German. Ihr Logo ist ein großes Herz. An der Kirche in Brasov steht alles in Deutsch, alles. Die Gottesdienste werden in deutscher Sprache angekündigt und hinter einer Ankündigung steht in Klammern „in rumänischer Sprache“. 
Forumul German Werbung
deutsche Aushänge an der Kirche

"BRASOV" von unten

Brasov von oben

Nach Brasov ging unsere Reise nach Bran. Dort steht das Dracula Schloss. Es sieht genauso aus, wie man sich das Dracula Schloss immer vorgestellt hat oder wie man es aus diversen Filmen und Bildern kennt. Dennoch hat es mit Dracula so viel gemein wie Äpfel mit Maracujas. Es ist nur der Ort, an dem sich Bram Stroker orientiert hat, als er seinen Dracula Roman schrieb. Nicht einmal das historische Vorbild Draculas, Vlad der Pfähler, war hier. Vlad der Pfähler war ein rumänischer König, der seine Feinde tötete, indem er einen langen angespitzten Pfahl in den Anus einführte und mit diesem Pfahl durch alle lebenswichtigen Organe stock, bis er zum Mund wieder raus kam. Es konnte passieren, dass die Opfer so noch einige Tage am Leben waren, bis sie ausgeblutet waren. Es gab nun Legenden, dass er ihr Blut trank, um sich ihre Stärke einzuverleiben. Davon ist jedoch nichts überliefert. Seine Mordmethoden und seine Persönlichkeit standen Pate für diesen Vampir. Ansonsten war dieses Schloss einfach ein Anwesen eines Hohenzoller Prinzen, der über Transsylvanien herrschte. Das damalige Rumänien beinhaltete Siebenbürgen nämlich noch nicht, sondern bestand nur aus der Moldau und der Walachei, während Siebenbürgen Teil des Österreichisch – Ungarischen Staates war. 

Bevor wir jedoch dieses Schloss besichtigten, eröffnete ich Marcus, dass ich diese Reise nicht bis zum Ende weiterführen möchte. Ich stellte mir diese Reise zu romantisch vor. Die Gründe jetzt hier ausführlich zu erklären, würde den Rahmen sprengen. Kurz gesagt, gibt es hier für mich zu wenig Beständigkeit und ich habe festgestellt, dass ich darauf mehr Wert lege, als ich dachte. So lernt man auf einer Reise wie dieser also auch sich selbst besser kennen. Wir mussten jetzt also die Route neu planen. Die Ziele waren schnell gesteckt. Wir fahren über Sofia nach Mazedonien. Von dort aus führt die Route über Albanien, Montenegro, Kroatien und Slowenien nach Österreich, was ja eigentlich schon fast wieder Deutschland ist ;) Vielleicht fahren wir dann über Tschechien, vielleicht fahren wir auch durch Deutschland. Das können wir heute noch nicht sagen. Also wurden die Pferde gesattelt, alle 58 von ihnen, und wir bewegten uns nach Sofia. In unserem Osteuropareiseführer gehört Sofia nicht zu den Highlights Bulgariens. Egal, ein Kommilitone Marcus‘ macht dort gerade ein Erasmus Semester und wir haben eine Unterkunft. Also fahren wir nach Sofia. Bis Mitternacht hätten wir in Sofia sein sollen. Da haben wir aber den Grenzübertritt nicht eingerechnet! Will man von Rumänien nach Bulgarien, muss man über die Donau. Das ist gar nicht so einfach! Wir wählten den direkten Weg. Das bedeutet, wir fuhren Fähre. Das ist alles ganz seltsam dort, da sich bulgarische und rumänische Seite offensichtlich nicht ganz einig sind über diese Flussüberquerung. Jedenfalls bezahlt man erst eine Gebühr für den Hafenbetrieb auf rumänischer Seite, dann bezahlt man eine Gebühr für die Fährbenutzung und dann nochmal eine Gebühr für den Hafenbetrieb auf bulgarischer Seite. Macht zusammen über 60€ für 500m über die Donau!!! Dann muss man in Bulgarien genau wie in Rumänien eine allgemeine Straßengebühr entrichten. Das ist mit 5€ für 7 Tage aber überschaubar und die Straßen sind durchaus nutzbar. Nun ließ die Fähre auf sich warten und wir mussten nochmal 4 km zurück fahren, da man die Fähre nicht mit Karte bezahlen kann. Dann ließ die Fähre auf sich warten und dann mussten wir ewig suchen, bis wir das Geld für den bulgarischen Hafenbetrieb und die Vignette zusammengekratzt hatten. So dauerte der Grenzübertritt 3,5 Stunden und wir waren Mitternacht nicht in Sofia, sondern gerade erst über die Donau rüber. Sofia erreichten wir mit unserem Panzer aus französischem Stahl erst um 3 Uhr Nachts. Wir hatten uns bereits ein Hostel ausgeguckt und schliefen dort schnell ein. Am nächsten Tag nahmen wir Kontakt mit Martin auf und bewegten uns dann im Rahmen einer weiteren Free City Tour durch Bulgariens Hauptstadt. Es ist eine interessante Stadt aber keine großartige. Das Zentrum ist sehenswert, einen Fuß muss man dort aber nicht raussetzen. Die Geschichte dieser Stadt ist jedoch recht interessant. Muslime, Juden und Christen lebten hier immer friedlich miteinander. In wenigen Metern Entfernung um den Platz der Toleranz stehen Gotteshäuser aller 3 Religionen. Nie gab es Probleme. Während der Nazi Zeit kooperierte Bulgarien mit Deutschland. Dennoch fand das bulgarische Oberhaupt immer wieder Gründe, keine Juden auszuliefern. Er sagte, Bulgarien bräuchte seine Juden genauso wie Deutschland als Arbeitskräfte. Waren deutsche Gesandte bei ihm , schickte er einen Zug los, um sich dann Gründe auszudenken, warum er die Juden doch brauchte und warum der Zug vor der Grenze doch wieder umkehren musste. Es ist eine einmalige Geschichte. Nach dem Krieg lebten in Sofia noch 50.000 Juden. 
Alte Gebäude...

...neben Gotteshäusern...

...neben sozialistischen Prachtbauten...

...neben Gotteshäusern wie in Russland. Hier gibt es alles, und zwar alles beisammen.

In Sofia gibt es einen Markt, ganz ähnlich der Markthalle in Cluj. Dieser Markt ist jedoch open air. Es ist beeindruckend, wie das Obst und Gemüse in Bulgarien nochmal günstiger ist als in Rumänien. Zum Beispiel kostet ein Kilo Kartoffeln ganze 20 Cent. Wir decken uns mit vielen sehr aromatischen Paprikas, mit Kartoffeln, mit Tomaten, mit einer Zucchini, mit Frühlingszwiebeln, Aprikosen und Pfirsichen ein und bezahlen dafür ungefähr 3 €. Es war gar nicht so einfach, alles aufzuessen! Dann gehen wir noch etwas Essen und fahren am nächsten Tag nach Mazedonien. Mazedonien hat eine wundervolle Landschaft zu bieten, genau wie auch schon Bulgarien und später auch Albanien. Es sind alles sehr bergige Länder. Immer wieder hat man einen überwältigenden Ausblick von hoch oben über die Ländereien. Nun wussten wir auch nicht so recht, wass wir uns in Mazedonien ansehen sollen. Also setzten wir uns die Hauptstadt Skopje als Ziel. Wir wollten uns ein paar mazedonische Denar holen also ging ich an einen Geldautomaten und stecke meine Kreditkarte. Der Automat sagt mir, er lese die Karte. Das dauert recht lange. Plötzlich sagt der Automat zu mir, ich hätte zu lange gebraucht, die Karte wieder rauszunehmen und behält meine Karte ein. Plötzlich steht im Display, der Automat wird gerade gewartet. Was nun? Glücklicherweise ist der Automat direkt an einer Bank. Also gehe ich rein in die Bank und erkläre denen, was da gerade passiert ist. Die finden meine Karte zwar im Automaten aber erklären mir dann, dass sie mir die nicht zurückgeben dürfen. Ich müsste meine Bank anrufen. Sie bräuchten zumindest eine Email von meiner Bank, dass sie mir die Karte wieder aushändigen sollen. Also rufen wir aus Mazedonien (außerhalb der EU Roaming Vorgaben) für 1,50€ die Minute bei der DKB an. Die sagen alles kein Problem, die brauchen von mir dafür aber einen schriftlichen Auftrag mit Unterschrift. Also muss ich zumindest einscannen können. Wir beschließen, die Karte sperren zu lassen. Marcus holt einem anderen Automaten Geld und bekommt seine Karte auch zurück. Gottseidank kann Marcus auch kostenfrei Geld abheben. So bleiben wir liquide ohne Gebühren. Die Stadt selbst ist nicht sonderlich schön. Es gibt einen großen Platz, in dessen Mitte ein großer Springbrunnen das Wasser recht hübsch mal als Nebel dann als umlaufende Wassermauer in den Himmel spuckt. Drumherum stehen unzählige Statuen. Außerhalb dieses Platzes wird die Stadt schlagartig deutlich uninteressanter. Es gibt immer noch überall Statuen und doch ist die Enttäuschung groß. Wir gehen über eine Brücke und kommen zu einer bereits geschlossenen Burgruine. 
Eingang zum Stadtzentrum, vom Zentrum aus fotografiert

Der Brunnen. Ob er vor Wut über die bescheuerte Bank schäumt?

Statue eines alten Zars.

Staute.

Oh! Schau! Eine Statue.

Fischstatue.

seltsame Frauenstatue

geschlossene Burgruine

eine Moshee

Von der Burgruine zurück in die Stadt ergibt sich ein recht hübscher Blick.

Nein Sowas! Eine Statue! Nein! Zwei sogar! Wahnsinn! ;)
So gibt es für uns keinen Grund mehr, noch länger zu bleiben und wir fahren ab. Mazedonien verfügt leider nicht über Meer aber Wasser wollen wir dennoch. So war unser Ziel der Ohridsee. Das ist ein großer See im Südwesten Mazedoniens an der albanischen Grenze. Das war aber an dem Tag unmöglich noch zu schaffen. Also fuhren wir zunächst die Autobahn aus Skopje raus. Noch bevor wir auf die Autobahn konnten, mussten wir – wie das in Städten hin und wieder passiert – an einer roten Ampel halten. Sofort rannten Kinder auf uns zu und bettelten. Wir verschlossen schnell die Türen und kurbelten die Fenster hoch. Ein Kind stellt sich vor unser Auto. So konnten wir also auch einmal die Situation durchspielen, für die wir uns schon vor längerer Zeit einen Plan zurechtgelegt hatten. Natürlich wollen wir kein Kind umfahren aber wir müssen ihm das Gefühl geben, dass wir es tun würden, wenn es nicht geht. Marcus setzt einen hasserfüllten Blick auf und winkt, ich soll losfahren. Ich gucke das Kind ernst an, tief in die Augen und lasse das Auto langsam losrollen. Das Kind läuft langsam rückwärts. Es dreht sich um, sieht die Ampel springt auf grün und rennt von der Straße, auf die nächste Rotphase wartend. Es macht kein Spaß, so etwas zu tun. Der Schreck saß mir noch eine ganze Weile in den Knochen. Die Kinder tun mir leid. Dennoch, geben kann man ihnen nicht allen was und mache ich es wirklich besser, wenn ich ihm 10, 15 Cent gebe? Es ist eine schwierige Frage. Die Kinder können ja nichts dafür. Erst mal haben wir es jetzt aber geschafft – wir sind auf der Autobahn. Auf den mazedonischen Autobahnen gibt es immer wieder Mautstationen. Man zahlt meist nur 50 Cent bis einen knappen Euro pro Mautstation. Als wir aus der Stadt fuhren halten wir an einer Station und sprechen mit dem Menschen im Häuschen Englisch. Der meint zu uns „Warum sprecht ihr Englisch? Schweine!“ Wir gucken uns an und denken, warum sind wir jetzt Schweine? Aber er erklärt uns mit einem Lächeln „Amerikaner, Engländer, Schweine! Deutschland! Deutschland ist toll! Deutschland über alles!“ Er nimmt unser Geld und wünscht uns einen schönen Tag. Ja, das gibt es, Länder in denen wir Deutsche nicht immer nur die ewigen Nazis sind. An einem Autobahnrastplatz schlagen wir unser Lager auf. Von dort aus geht es dann am nächsten Tag zu besagtem See. Gegen Mittag kommen wir an. Es ist herrlich dort. Die Sonne strahlt, das Wasser ist warm und der Campingplatz, den wir gefunden haben, liegt hervorragend. Erste Amtshandlung: Baden gehen! Endlich! Wir können es nicht mehr abwarten, bis wir ans Meer kommen. Das ist ein erster Vorgeschmack. Wir waschen den Schweiß runter, den wir am vorherigen Abend nicht abwaschen konnten. So liegen wir da am Wasser und lassen uns die Sonne auf den Wanst scheinen. Natürlich ist am Abend sowohl mein Rücken als auch mein Bauch verbrannt.
Wasser genießen.


seltsame kleine Bläschen überall

Ein schönes Panorama, leider ist es diesig.


Als wir am nächsten Tag abfahren, lautet unser Ziel Tirana, die albanische Hauptstadt. In Tirana fährt jeder, wie er will. Fahrspuren scheint es nicht zu geben. Blinker auch nicht. Die Hupe regiert die Welt. Es ist dichter Verkehr. Es gibt keine Ausschilderungen in der Stadt. Unser Navi hat Tirana praktisch nicht drin. Es gibt einige Straßen, die es in echt aber nicht gibt. Nicht einfach. Irgendwie wühle ich mich durch das Verkehrschaos. Einen Vorteil hat das Chaos. Jeder fährt hochkonzentriert. Fehler werden verziehen. Man hupt dann halt einfach mit. Wir finden einen Parkplatz und gehen essen. Man kann wieder für 3 Euro satt werden. Man kann im gleichen Restaurant auch für 6 Euro eine Pizza mit 35 cm Durchmesser bekommen. Alles ist möglich. Gesättigt bewegen wir uns ins Zentrum. Wir folgen dort einem kleinen Bildungspfad an alten Regierungsgebäuden vorbei zur Nationalbibliothek und enden an der Tabakbrücke. Tabak war lange Zeit das wichtigste Produkt für die Stadtentwicklung. Ich sehe einen alten Mercedes /8 200D (so einer hier: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f2/Mercedes-Benz_W115_front_20080816.jpg) in ganz wunderbarem Zustand. Ein Schild hängt an der Seitenscheibe „SHETEM“ – zu verkaufen. Ich muss es wissen, was so ein Baby in Albanien kostet. In dem Zustand kosten die in Deutschland gut und gerne 6000€ und mehr. Das Handy des Besitzers ist aus und so ziehe ich etwas wehmütig weiter. Für einen Tausender hätte ich nicht lange gefackelt. Wahrscheinlich ist es gut so wie es ist und für so wenig Geld wird man das Auto wohl auch in Albanien nicht kaufen können. Übrigens fahren in Albanien sehr viele alte Mercedes rum, bestimmt jeder 3. Mercedes ist der Nachfolger von dem, den ich gesehen habe oder ein 190er, also die erste C-Klasse. Aber das wird wohl die wenigsten von euch interessieren ;) Es ist noch nicht spät und wir wollen endlich ans Meer, also los! Aus Albanien raus nach Montenegro. Der Grenzübertritt war unkompliziert, wie alle Grenzübertritte bisher. Montenegro ist jetzt das 10. Land unserer Tour. Wir fahren bis Bar. Dort finden wir einen Parkplatz direkt am Meer. Zwischen Parkplatz und Meer gibt es eine kleine Strandbar. So kommt es dass wir in der 35. Minute des Spiels Deutschland gegen Portugal in einer Strandbar in Bar sitzen und dem kleinen Ball, auf den immer wieder hart von 22 Männern eingetreten wird, beobachten. Die Bar hat eigentlich geschlossen. Der Fernseher läuft nur für einen Mitarbeiter der Bar. Der verkauft uns trotzdem ein Bier. Der etwas ältliche Mann ist etwas betrunken, spricht ein wenig Deutsch und Englisch und freut sich wie ein kleines Kind über den deutschen Fußballsieg. Am nächsten Tag fahren wir die Küste entlang bis Kamenari. Kamenari liegt in der Bucht von Kotor. Diese Bucht ist durchaus zu vergleichen mit einem Fjord und ist auch Weltnaturerbe. Es ist wunderschön hier! In dieser Bucht gibt es 2 Inseln, auf beiden steht jeweils nur eine Kirche. Die Inseln sind so nahe aneinander dran, man könnte problemlos von einer zur anderen schwimmen. Man könnte auch vom Festland aus hinschwimmen. Es sind vielleicht 400 oder 500m. Das Wasser ist sehr warm, die Sonne scheint kräftig. Immer, wenn es zu warm wird, springt man mal kurz ins Wasser, schwimmt ein bisschen und man fühlt sich wieder wohl. Hier haben wir jetzt schon eine Nacht verbracht. 



Camping in bester Lage

Unser Ausblick, wenn wir das Auto verlassen.

Heute schlafen wir auch nochmal hier und dann fahren wir weiter an das andere Ende Montenegros. Dort soll es den zweitgrößten Canyon der Welt geben, gleich nach dem Grand Canyon. Das schöne ist: 2,5 Stunden braucht man nur von einem Ende des Landes ans andere. Wir werden wohl länger brauchen. Von einem Holländer haben wir erfahren, dass es wohl Steigungen von bis zu 15% gibt. Ob das die alte französische Technik schafft? Wir werden sehen…

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